Myostatin Hemmer

(David Steen)

Jeder, der mit der Welt des Gewichthebens/Bodybuilding vertraut ist, wird sicher mit der Behauptung einverstanden sein, dass der Rückblick in den Zeitraum, in dem in den Kraftsportarten keine anabolen Steroide und andere Stoffe, die angeblich den Zuwachs der Muskelmasse (wie Insulin oder Wachstumshormon) unterstützen, angewendet wurden, nicht real ist.

Auch im Fall, dass die Schädlichkeit der Anabolika auf die menschliche Gesundheit bewiesen wurde, sind diese Stoffe nicht in gleiche Gruppe wie Zigaretten oder sogar Drogen einzuordnen: Anabolika erinnern mehr an den Stein der Weisen der mittelalterlichen Alchemisten den Stoff, der in der Tiefe den Körper und die Seele des Menschen verändert. Das Bestreben um solche Transformation ist ewig und überschreitet kulturelle Grenze und alle Zeiten.

Gerade deswegen ist es, meiner Ansicht nach, die einzige Lösung des Problems der Anwendung und des Missbrauchs von anabolen Steroiden, nämlich das Erfinden einer unschädlicher Alternative, die gleiche Wirkungen, wie Anabolika haben wird. Heutzutage ist die einzige solche potenzielle Alternative die Inhibition von Myostatin, des Proteins, das den Zuwachs der Muskulatur beschränkt.

Gleich zum Anfang will ich Sie warnen, dass bisher keine wirksame Art und Weise existiert, wie wir das Myostatin zuverlässig blockieren könnten, um erwünschte Ergebnisse zu erzielen. Obwohl die Versuche mit den Tieren (vor allen Mäusen) sehr vielversprechend waren, ist die Inhibition des Myostatins bei den Menschen bisher nicht so erfolgreich gewesen. Deshalb ist jeder, der Ihnen das Heilmittel mit solcher Wirkung anbieten könnte ein Betrüger. In jedem Fall nähern wir uns schnell dem Moment, zu dem es gelingen wird, den funktionellen Myostatin – Hemmer zu erzeugen (es ist wahrscheinlich die Frage einiger Jahre).

Myostatin und das mit ihm zusammenhängende Gen waren durch die Gruppe der Wissenschaftler auf John Hopkins University im Jahr 1997 entdeckt worden. Alexandra McFarren, Se-Jin Lee und Ravi Kambadur bemühten sich das Gen zu blockieren, das für die Produktion des Myostatins bei den Mäusen verantwortlich ist und das Ergebnis war die Maus mit der vervielfachten Muskelmasse. Seit der Zeit hat sich klar erwiesen, dass das gestörte mit dem Myostatin zusammenhängende Hormon einen bedeutenden Zuwachs der Muskelmasse bei den Tieren und Menschen zur Folge hat. Außerordentlich muskelstarke Stiere der Rasse Piedmontese sind ein Beispiel der Rasse durch die Genveränderung.

In der Gegenwart gibt es zwei Ansätze zur Blockierung des Myostatins: der erste konservative, ist das Bestreben den Stoff zu produzieren, der die Produktion von Myostatin, eventuell sein Binden auf myostative Rezeptoren verhindern wird, was den Zuwachs der Muskeln bewirken wird. Der zweite, mehr radikale Ansatz hat das Ziel, direkt das Gen „unschädlich zu machen, das für die Bildung des Myostatins verantwortlich ist, womit sich eine permanente Wirkung erzielen lässt. Diesen Ansatz hat H. Lee Sweeney, ein bekannter auf der University of Pennsylvania arbeitender Physiologe gewählt. Wie ich bereits gesagt habe, warten wir bei beiden Ansätzen auf befriedigende Ergebnisse. In letzter Zeit verursachte eine größere Aufregung und bedeutende Erwartungen ein Präparat der pharmazeutischen Firma Wyeth mit dem Arbeitsnamen MYO-029. Jedoch nach einigen Jahren des Testens teilte die Gesellschaft im März 2008 mit, dass das Arzneimittel, auch wenn unschädlich, keine Wirkung zeigt. Die Gentherapie ist wieder auf das Problem der Immunreaktion gestoßen.

Eine weitere Komplikation, die mit der Myostatin-Hemmung zusammenhängt, ist der Fall, dass sie nach wissenschaftlichen Studien negativ auf das Bindegewebe (Flechsen) wirkt, das „klein, abbrüchig und hypocelular, nach den Wissenschaftlern von University of Michigan wird.

Auf jeden Fall, wie ich bereits ausgeführt habe, herrscht zwischen Wissenschaftlern Übereinstimmung, dass eine Inhibition von Myostatin bei den Menschen bald möglich sein wird. Antidoping-Agenturen bereiten sich schon heute eifrig auf das Testen des blockierten Myostatins vor. Falls solche Tests erfolgreich eingeführt sein werden (und das ist wirklich ein großes Fragezeichen und falls es gelingt, die Myostatinblockade vom Sport herauszuhalten, können professionelle Athleten in eine Paradoxsituation geraten, wenn jeder Pensionär, der auf Muskeldystrophie geheilt wird, muskulöser als Sie sein wird…

Quellen: Scientific American, August 2005 and August 2008 McPherron A., Lee S. Double muscling in cattle due to mutations in the myostatin gene Proc Natl Acad Sci USA, 1997 Mosher D.S., Quignon P., Bustamante C.D., Sutter N.B., Mellersh C.S., et al. A Mutation in the Myostatin Gene Increases Muscle Mass and Enhances Racing Performance in Heterozygote Dogs. PLOS Genetics, 2007 Mendias C.L., Bakhurin K.I. ,Faulkner J.A.; Tendons of myostatin-deficient mice are small, brittle, and hypocellular; PNAS, 2008 vol 105 no. 1 388-393