Wirkungen anaboler Steroide

(David Steen)

Anabole Steroide sind chemische Stoffe, verwandt mit dem Geschlechtshormon Testosteron, das natürlich in einem männlichen und weiblichen Körper gebildet wird. Die Organe, die das Testosteron produzieren, sind Nebennieren, Eierstöcke und vor allem Leydig-Zellen in männlichen Geschlechtsorganen. Testosteron, wie auch andere Steroide, werden aus Cholesterin in der Folge verhältnismäßig komplizierter chemischer Reaktionen gebildet. Der größere Teil des Testosterons im Organismus wird zum Dihydrotestosteron (DHT) verwandelt, was ein starkes Androgen ist, oder im Prozess der Aromatisation, zum Ästradiol, was ein wichtiges Ästrogen ist.

Wie Testosteron, aktiviert auch DHT Androgen-Rezeptoren auf bestimmten Zellen, während Ästradiol Ästrogen-Rezeptoren aktiviert. Aktivierung der Androgen-Rezeptoren verursacht primäre und sekundäre männliche Geschlechtsmerkmale, Vertiefung der Stimme, typischer Zuwachs der Behaarung und später Haarausfall wie auch Zuwachs der Muskelmasse und Proteinsynthese. Aktivierung der Ästrogen-Rezeptoren löst andererseits ganz unterschiedliche Wirkungen aus, wie die Gynäkomastie (Brustwuchs), Muskelmasseverslust, Zunahme der subkutanen Fettschicht, erektile Dysfunktion, Hitzeandrang, Schwitzen und gesenktes Libido bei den Männern.

Negative Auswirkungen von Ästrogen, die weiter oben beschrieben werden, hängen mit dem erhöhten Ästradiolspiegel zusammen, der wieder die Folge eines sehr hohen Testosteronspiegels ist. Wie Sie also sehen können, bewirkt Testosteron nicht nur anabol-androgene Wirkungen, sondern auch genau umgekehrte Wirkungen in Folge der Aromatisation. Aus der Sicht der Sportler wurden übermäßige androgene und östrogene Auswirkungen anaboler androgener Steroide immer wie ein grundlegendes Problem wahrgenommen.

Für nicht medizinische Anwender der Steroide wäre der Heilige Gral ein Medikament mit maximalen anabolen Wirkungen und minimalen androgenen und östrogenen Auswirkungen. Auch wenn solch ein idealer Stoff bisher nicht erfunden wurde. Den Wissenschaftlern ist es gelungen, eine Anzahl der testosteronverwandten Hormone zu synthetisieren, die in der Hinsicht das Testosteron überholen. Das bedeutet, dass manche anabole Steroide (beschrieben auf einer anderen Stelle auf diesen Webseiten) maßgeblich ein niedrigeres Niveaus der Aromatisation aufweisen (sich also weniger zum Ästrogen umwandeln) gegebenenfalls viel kleinere androgene Wirkungen (wie Haarausfall oder Prostatavergrößerung) haben und dabei ihre anabole Auswirkungen erhalten bleiben.

In jedem Fall, die Mehrheit, wenn nicht alle bekannten anabole Steroide, die in einer hohen Dosis mit dem Ziel des Muskelmassezuwachses eingenommen werden, erfordern die Anwendung bestimmter Hilfsarzneimittel ob Medikamente, die Konversion anaboler androgener Steroide auf Ästrogen blocken (üblich durch das Blocken des Enzymes Aromatase, das für den Prozess verantwortlich ist) oder Medikamente, die natürliche Testosteronbildung im Organismus fördern.

Vor allem die zweite Gruppe der Arzneimittel ist fast unvermeidlich, und dies wegen des so genannten negativen Feedbacks, der die Bildung des Testosterons und anderer Hormone in unserem Körper reguliert: wenn die Rezeptoren das übermaß bestimmter Hormone feststellen, ist seine natürliche Bildung automatisch gestoppt. Wenn diese Situation einen längeren Zeitraum andauert, üblicherweise mehr als zwei Monate, kann eine natürliche Bildung des Hormons dauerhaft eingeschränkt werden. Das heißt auch, dass es nicht rückgängig gemacht werden kann.

Als Beispiel nehmen wir Kortikosteroide. Diese Gruppe der Hormone, verwandt mit Kortisol, wird üblicherweise von den Ärzten zur Behandlung der Ekzeme und anderer Hautprobleme verordnet. Aber bei der externen Anwendung des Kortisols bekommt der Organismus die Information, die Bildung dieses wichtigen Hormons der Nebennieren einzustellen. Deswegen werden Kortikosteroide immer nur während einer bestimmten Zeit angewendet, nach der man dem Organismus eine Zeit für die Erholung lassen muss, damit die Bildung des Kortisols in den Nebennieren wieder aufgenommen werden kann.

Das gleiche Prinzip gilt für anabole Steroide, bei denen sich diese Änderung der Therapie und des Absetzens der Medikamente von Sportlern Cycling nennt. Da alle anabolen Steroide zu einem bestimmten Maße negativ die natürliche Bildung des Testosterons beeinflussen, müßen sie während einer bestimmten Zeit eingenommen werden (üblich vier bis acht Wochen, wobei kürzere Zyklen sicherer sind). Danach wird die gleiche oder längere Zeit für die Erholung gelassen. Weil die Sportler eine sehr hohe Dosis anaboler Steroide einnehmen, reicht selbst das Absetzen der Kur nicht und Hilfsmittel sind notwendig.

Man muss bemerken, dass offensichtlich die am meisten unterschätzte Eigenschaft mancher anaboler Steroide die Dauer ihrer Wirksamkeit ist. Die Bodybuilder wenden üblicherweise diese Medikamente über einen Zeitraum von 8 Wochen an und diese Zeit bezeichnen sie als Zyklus. Aber viele intramuskuläre Anabolika unterdrücken die Testosteronbildung bereits einige Wochen nach der letzten Anwendung, was in der Praxis bedeutet, dass aus dem medizinischen Gesichtspunkt die wirkliche Länge eines solches Zyklus nicht 8, sondern zum Beispiel 12 Wochen dauert. Bei solchen langen Zyklen fällt der Organismus in einen Zustand, aus dem es schwer ist, die natürliche Hormonbildung auch mit Hilfe der zusätzlichen Arzneimittel zu regenerieren.

Hier gelangen wir zu einem weiteren wichtigen Thema, und das ist der Unterschied zwischen oralen und intramuskulären Anabolika.

Orale Anabolika haben einen grundlegenden Nachteil (mindestens die Mehrheit von ihnen) und der ist ihre Hepatotoxizität (also zerstörende Auswirkung auf die Leber). Es ist praktisch unmöglich, dass ein seriöser Bodybuilder langfristig orale Anabolika anwenden würde und sich dabei keinen Leberschaden zuziehen würde. Andererseits haben orale Anabolika eine kurze Wirkung und in dem Fall der Komplikationen kann man sie sofort absetzen. Ich vermute, dass orale Anabolika eine bessere Wahl für die Anfänger sind, die nicht ausprobiert haben, wie ihr Organismus auf den gegebenen Stoff reagiert.

Intramuskuläre Anabolika gewähren manche Vorteile: sie können einmal pro Woche angewendet werden (manche müssen täglich eingespritzt werden, persönlich empfehle ich nicht solche Stoffe auf Grund vieler möglicher Komplikationen), sie gehen nicht durch die Leber und manche von ihnen werden in dem menschlichen Organismus relativ sehr gut toleriert. Andererseits, wenn Sie an den offiziellen Wettkämpfen teilnehmen und Dopingteste eingehen, werden diese Stoffe viele Monate nach der Applikation identifizierbar sein.

Zum Schluss noch eine Warnung hinsichtlich der intramuskulären Anabolika: Wenn die Mehrheit von Sportlern die in den illegalen Laboren erzeugten Arzneimittel anwendet, wird die Kontamination erstrangiges Problem. Kontaminierte Tabletten sind gefährlich, aber Ihr Körper wird sich wahrscheinlich damit auseinandersetzen. 1 % der Kontamination ist üblich in den injizierbaren Anabolika. Manche Untergrundlabore verkaufen aber die Stoffe mit der Kontamination um 5 %, was sehr gefährlich ist. 10 % der Kontamination kann Sie leicht töten.